Planet Dino - LAVA 303

Vor mir liegt die wunderschön ausgeführte grüne Doppel LP von LAVA 303, ein Projekt der v.a. in Frankfurt sehr umtriebigen Techno-Rockerin Conny Maly. Das Album stellt einen Abriss aus den letzten 12 Jahren Schaffenszeit dar und ist dafür überraschend homogen.

Was man als Techno- oder Acid-Rock bezeichnen könnte, erinnert vom Grundaufbau oft an Goa aus den 90ern mit einem schönen Offbeatbass und einer satten Bassdrum, allerdings in moderaterem Tempo. Teilweise prallen rockige Stromgitarren unmittelbar auf klassische Elemente der elektronischen Tanzmusik oder Synthiehooklines. Sie stehen dann fast schon profan über dem Groove, wie bspw. bei der ersten Nummer „Wunderland“.
Durch die ungewohnte Mischung (Stromgitarre/Techno), bekommt das ganze aber einen sehr eigenen Charakter, die Kontraste wirken teils bewusst plakativ eingesetzt. Bei anderen Nummern hingegen wirken die Elemente hingegen wesentlich näher beieinander, die Gitarren integrierter (z.B. beim rhythmischen „Psychedelic Disco“).
Vocals erscheinen vor allem in der ersten Hälfte des Albums oft verfremdet oder effektiert und somit stilistisch im Sinne der Tanzmusik.

Die zweite Hälfte des Albums wirkt stilistisch gesehen heterogener, Songs wie „I wanna Dance“ oder „Soli Wunderbar“ (mit einem wunderbaren Text) klingen eher wie eine Hommage an die frühere Elektro & Technozeit. Goa-Elemente sind oft abwesend, Vocals in deutsch und englisch klar und uneffektiert. Gitarren treten teilweise akustisch oder trocken verzerrt in Erscheinung.
Bei „The Goddess Rules“ kommt trotz des Goaesquen Grundgrooves sogar ein poppiges Feeling auf. Die Texte scheinen oft politisch motiviert, ohne Zeigefinger, sondern mitreißend und humorvoll, es entsteht der Eindruck, dass es sich um Themen handelt, mit denen die Protagonistin sich in ihrem Alltag auseinandersetzt. „Die Mama muss mal tanzen gehen“ ist dann wohl ein klassisches Eltern Alltagsthema: „Die Mama muss mal raus, sonst flippt die Mama aus.“ Das macht einfach Spaß zu hören!


In der ersten Hälfte des Albums ist es vor allen Dingen die spielerische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Stilmitteln aus Techno/Goa und Rock/Blues, die trotz immer wiederkehrender, ähnlicher Grooves dem Album einen besonderen Reiz verleihen, mehr noch, gerade die Grooves sorgen durch ihre hypnotische Wirkung für einen Flowerleben, das ganze würde auch als Continuous-Mix auf einer Party sicher für eine ausgelassene Tanzstimmung sorgen.
Bei der zweiten Hälfte wird eine Botschaft übermittelt, teils politisch feministisch, teils aus dem Alltag gegriffen, aber immer mit einem lächelnden Augenzwinkern, so zumindest mein Eindruck. Es dominieren verstärkt technoide, elektronische Elemente. Das Finale „Amazonen Staat“ klingt schon fast nach Industrial, trotz klassich rockiger Gitarre, auch hier kommt ein hypnotisches Feeling auf.

Mein Fazit: Ein wirklich tolles und unaufdringliches Album, welches trotz relativer stilistischer Homogenität viel Tiefgang und Abwechslung mitbringt. Ich musste zwischendurch immer wieder schmunzeln, teils wegen der Texte, teils aber auch aufgrund des Einsatzes verschiedener Stilmittel. Ich bin Fan!

Boris Boris Mihatsch , Weltraum / Gassen Aus Zucker

 

Planet Dino - Vinyl 2020

Mushrom Magazine
Lava 303 „Planet Dino“ (Playground Productions) 2LP

She has the funk, she has the soul and calls it "Acid Rock’n'Roll."

It must have been almost 20 years since I first met Conni at an old military airport in the shadow of the rocket. At that time she did not wear much more than a cardboard sign in front, one in the back (where she was promoting her CD "Be your own live act") and on her head she had a mask. I mean to remember that it was not the Dino yet ...

Somehow I was immediately fascinated by her. I could not escape the dedication with which she fulfilled this task in the "here and now" of that time. This devotion also runs like a red thread through her music, which is difficult to classify into conventional drawers. Alternative? Independent? Singer-Songwriter? The graduate of the Rock'n'Roll the high school is so much more.

Here is a particularly authentic way to name the program: Conni is hot as lava and the 303 puts you in hypnotic trance. She herself often calls it Acid Rock'n'Roll and her lyrics like to have something political. The Electro Riot Girl is a living rebellion against inflexible structures and sometimes, for example in "The Mama has to go dancing", probably against her own blues.

The Amazon from "Frankfurt am Meer" takes us on a trip to her wonderland again and again. We meet witches playing guitar and give ourselves completely to the goddess herself. Feminism is sexy again, with hippie music and gipsy swing!

Unfortunately, no vinyl can capture the whole Conni, as she loves the free improvisation too much, but with this compilation of her work from the years 2007-2019 you get a very good overview of some of the facets of this delightful artist from the Frankfurt Underground.

Liese, Mushroom Magazin

 

 

Psychedelic Disco - CD Album 2019

Eclipsed Magazine


 

 

Goddess Rules - CD Album 2011

 

Lava 303 Goddess Rules: Reviews german/english
Promotion by Finest Noise

ELECTRO WAVE POP

Ein buntes skurriles Cover liegt in meiner Hand. Ein rothaariges Wesen hält eine elektrische Gitarre, die auf den ersten Blick verdammt nach einer Gibson SG aussieht (später verrät mir der Gitarrensound, dass es sich um ein Instrument der Marke “Epiphone” handelt), das grüne Gesicht, das unter der Mähne hervor spitzt, könnte einer Echse gehören, einem Skeks oder gar dem Drachen aus Lummerland. Deutschsprachig wird gesungen zu treibenden Elektro-Synth-Pop-Beets. „Die Frau Gott & Der Manager“ kommt mit 137,7 bpm und psychedelischen Klängen.

Nicht normal“ ist ein kleines Groove-Monster, das von geschickt eingestreuten Synthie-Upbeats vorangepeitscht wird. Der Sound der 80er hat sich einen Schluck aus einer Red Bull Büxe genommen, ein paar Amphetamine eingeworfen und fertig ist der Klangmix, den LAVA 303 auf ihrem hyperaktiven Album „The Goddress Rules“ vorstellt. Nach Minute 2:30 haben die von überall einfallenden Loops eine Intensität erreicht, die nur noch vom elektrischen Strahl der Leadgitarre durchbrochen wird. „Normal ist doch der Wahnsinn - die Kapitulation - normal ist die Zerstörung und die Depression“ heisst es im Text.

No Escape“ klingt am Anfang kindlich, nach 01:09 Minuten brüllt ein waviger B-52s-Rock-Riff und nachdem das Geschäftliche getan ist (Intro-Strophe-Brücke-Refrain usw) verändert sich der Song in einen hypnotisch- technoiden Hoppel-Beet mit spacig-verzerrter Leadgitarre, die das ganze Stück jetzt plötzlich in die Artrock-Ecke schiebt. Geniale 124,5 bpm. Für ein früheres Projekt hat das Girlie mit dem legendären „Guru Guru“ Schlagzeuger Manni Neumeier (Remember „Watt, Volt oder Ohm – ohne mich gibt's keinen Strom“?) zusammengespielt, genau in dieser „krautrocknewwavigen“ Schublade möchte ich auch das folgende „Hier in dieser großen Stadt“ ablegen („Psycho-alpha-disco-60ie-Lava-Aquadoloop“ kann ich da nur als alter P-Funk-Franke sagen!). Schon lange nicht mehr ein solch phättes Indie-Dance-Brett (124,5 bpm) gehört!

Der nexte Hammer lässt nicht lange auf sich warten: „Berlin Berlin“ – akustische Gitarrenakkorde, akzentuiert blubbernder Basslauf, der Lava's Stimme über 138,7 bpm ska-ten lässt. „Wir gehen hoppen, poppen, shoppen, poppen in Berlin!“ singt sie. „Ich tanze, tanze, tanze, tanze – bin gut drauf!“ – diese Grundstimmung zieht sich durch sämtliche der 13 Tracks (Spielzeit: 66:30). Allerdings: Dass es hinter der Fassade auch die Texte der Musikerin in sich haben, zeigt das melancholisch-rockige „Sweet Souvenir“, das die Schrecken des Kosovokrieges wieder aufleben lässt („ I Met Kids & Soldiers in Kosova – Sex on the beach and marihuana in Ex-Jugoslawia“).

Elephant Asyl“ ist die aggro-elektronische Apocalypse für Immigranten/Emigranten („Wo willst Du hin, wo kommst Du her, im Süden ist kein Wasser mehr, im Süden ist das Leben schwer!“, EBM-Metallisch wird's in „Destination Moor“ und das finale „Atmen“ ist der gut gemeinte Rat an alle Musikfans, alles etwas lockerer zu sehen: „Das Leben - das lebt sich – lass es passieren!”

Info: Dicke, phätte, moderne, Electro-Rock-Pop Scheibe aus Deutschland – Die Webseite heisst “acidrocknroll” und genau dieses Attribut passt erstklassig, will man die Musik von LAVA 303 kategorisieren. Sage noch mal jemand, es gäbe in Deutschland keine innovative Musiker(innen) – und jetzt wünsche ich mir nur noch: Let The Goddess Rule – wenn irgendwann einmal das Amt einer Musikministerin vergeben wird: Ich wähle Lava „Constanze“ 303!


DISAGREEMENT

If there was ever an acquired taste, it's definitely the music of Lava 303, the solo project of Conni Maly who is probably better known as the guitarist of The Slags, one of the first and foremost German all-female rock bands. It goes without saying that Ms Maly is an extraordinary guitarist, and I credit her strongly for not burdening the world with yet another insipid singer/songwriter album. Instead she uses a Roland MC-303 groovebox and a Korg Electribe sequencer to flesh out her compositions.

Her label has already decided that The Goddess Rules is a milestone of acid rock'n'roll, but the very dominant electronic instruments add strong techno and trance elements that at first seem extremely change with their contrasting sound, but once you get the hang of it, it actually all makes sense. Lava 303 combines the druggy subcultures of rock and electro into something rather unique, although she is not the first to experiment in this territory. Hawkwind and Ozric Tentacles have tried likewise mergers, and it goes without saying that Lava 303 can be counted successfully among their ranks.

The thirteen songs are all between four and seven minutes long, always take their time to build a hypnotic effect. Conni Maly's rather monotonous vocals help to emphasise the trippy nature of the music. Add to this her sometimes weird feminist/political lyrics, and you are in the presence of one of the most idiosyncratic albums you will have heard in a long time. There is even a remix of an early Nineties song (Destination Moon) from The Slags where the real instrumentation adds an even more rocking touch. The Goddess Rules is maybe a little too long to keep your undivided attention throughout, but at least it's different from 99% of the music we normally come across. Lava 303 has created a truly original work that should be checked out by everyone who likes their music full of strange vibes.

 

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